![]() | 16. Juni 2011 Intelligenz und Einfühlungsvermögen. In meiner Wahrnehmung ist jemand, der viel weiß, aber nicht ausreichend Einfühlungsvermögen hat, um sein Wissen zielorientiert einzusetzen, einfach dumm. Dumm bedeutet hier einfach: Solche Menschen bringen mich manchmal zur Verzweiflung. Besonders große Schwierigkeiten habe ich, wenn ich mit Menschen zusammenarbeiten muß, die genau wissen was und warum eine Zielsetzung ... sagen wir im Team ... Priorität hat und aus dem "Bauch" heraus boykottieren sie die Zielsetzung ... aus spontanen Mitgefühlsaktionen heraus. Weil sie das Ziel zwar wissen, aber irgendwie nicht in der Lage sind wahrzunehmen welche kleinen Schritte zum Ziel führen. Mitgefühl ist nicht gleich Einfühlungsvermögen. Einfühlungsvermögen bedeutet für mich die Möglichkeit der Koordination von Gefühl/Mitgefühl und zielorientierter intellektueller Kontrolle. Sprich: Es spielt in meiner Wahrnehmung in der praktischen Umsetzung von Wahrnehmung und Intelligenz im Handlungsbereich eine gewichtige Rolle. Wie nehmt ihr das wahr? Wo spielt in eurem Alltag Mitgefühl eine Rolle, wo ist Einfühlungsvermögen wichtig. Ist Euch der Unterschied bewußt? |
![]() | 16. Juni 2011 Auf der einen Seite gibt es die Wahrnehmung des Charakters einer Person, auf der anderen Seite gibt es gruppendynamische Prozesse. Jede Gruppe hat eine Rangordnung, wie auf dem Hühnerhof. Ist diese Rangordnung nicht anhand unwichtiger Themen geklärt, kann schon mal ein wichtiges Projekt an der Positionierung scheitern. |
![]() | 16. Juni 2011 Für mich wird der Unterschied in meiner momentanen Arbeit (Betreuung eines autistischen Jugendlichen in der Schule) mehr als deutlich. Da ist (zu viel) Mitgefühl eher kontraproduktiv, Einfühlungsvermögen ist aber in sehr besonderem Maße gefordert. Denn ich kann meist nur darüber erfahren (meist nur erahnen), was gerade in ihm vorgeht, was ihn bewegt und damit auch, wie ich wieder Kontakt zu ihm herstellen kann, wenn er "dicht" macht. Im Übrigen haben Autisten krankheitsbedingt so gut wie kein Einfühlungsvermögen und kein "echtes" Mitgefühl (nur "erlerntes"). Ich würde deshalb aber nie auf die Idee kommen, deshalb jemanden als "dumm" In meiner Wahrnehmung ist jemand, der viel weiß, aber nicht ausreichend Einfühlungsvermögen hat, um sein Wissen zielorientiert einzusetzen, einfach dumm. zu bezeichnen. Auch wenn du das Wort "dumm" in deinem nächsten Satz in eine andere Bedeutung zu verkehren versuchst. |
![]() | 16. Juni 2011 Einfühlungsvermögen... ...ist die moralisch neutrale Fähigkeit, den emotionalen Zustand des anderen zu erkennen und so dessen Verhalten zu antizipieren... Damit lassen sich gleichermaßen Therapiegespräche strukturieren, Partner manipulieren wie auch Techniken finden, um die in Kürze zu ermordende Geisel an einer ärgerlichen finalen Panikreaktion zu hindern... Nur...was hat das jetzt mit Intelligenz zu tun???????????? |
![]() | 16. Juni 2011 @dreilicht So isses. Und ich versuche u.a. heraus zu bekommen, wieso ich fehlendes Einfühlungsvermögen als dümmer empfinde und wahrnehme als das, was andere gemeinhin als dumm bezeichnen. Eine Idee dazu habe ich. Und hier ist @sorbas hilfreich: Um nachvollziehen zu können wie z.B. ein Asperger wahrnimmt und empfindet, muß man sich intellektuell in seine Situation versetzen können. Nachempfinden kann man ihn nur, wenn man eigene emotionale Erfahrungen erfassen kann und die intellektuelle Transferleistung kann man nur erbringen, wenn man sich intellektuell dann in ihn "hineinrechnen" kann. Um nachempfinden zu können wie jemand mit weit überdurchschnittlichem Einfühlungsvermögen ... blabla Die gleiche intellektuelle Leistung, die Einfühlungsvermögen erlaubt, benötigt man z.B., um einen PC neu zu installieren und zu programmieren. Ich traue also einem gesunden Menschen, der kein Einfühlungsvermögen hat, nicht zu, dass er in anderen Bereichen intelligenter sein könnte, als in diesem Bereich. Was de facto nicht korrekt ist, die Gründe für mangelndes Einfühlungsvermögen liegen noch in ganz anderen Bereichen. Wenn jemand die intellektuellen Fähigkeiten, die hinter der Leistung des Einfühlungsvermögens stecken, in Bezug auf komplexe Emotionen nicht trainiert hat, sondern nur den einfachen Weg des Leistungstrainings über schulisches Lernen geht, fehlt da dann nicht eine wichtige Lektion, die für alle Leistungsbereiche relevant ist? |
![]() | 17. Juni 2011 @ Ludivine: bin ganz bei Dir Danke für die Diskussion, für mich ist Einfühlungsvermögen ein entscheidender Punkt. Abgrenzung: Mitgefühl vs. Einfühlungsvermögen Mitgefühl hat für mich etwas mit psychischer Resonanz zu tun. Etwas im Verhalten des anderen bringt Empfindungen oder Erinnerungen in mir zum schwingen, ich erlebe einen Gleichklang und reagiere emotional darauf. Im Prinzip ist das ein Reiz-Reaktions Muster, nicht willentlich gesteuert, sondern eher in den "älteren" Hirnarealen angesiedelt. Mitgefühl ist nicht kognitiv. Einfühlungsvermögen ist kognitiv, eine Kette aus Beobachtung, Mustererkennung, Abgleich mit bestehenden Erfahrungen, Rekombination und Erweiterung bestehender Modelle und schließlich Konklusion. Natürlich kann man Mitgefühl in diese Kette integrieren, aber rein rational ist das ein Risikofaktor. Einfühlungsvermögen vs. Intelligenz Ich würde Einfühlungsvermögen als eine Variante der Intelligenz einordnen, bei der es als Maßstab auch um die Problemlösungsgeschwindigkeit geht. Sei es eine mathematische Formel, die Neuinstallation eines Rechners, die adäquate Umgehensweise mit Wörtern und Grammatik oder die schnelle und richtige Einschätzung meines Gegenübers: Das alles ist teils erlernt, teils angeboren. Dass ich das eine gut kann, nur weil ich das andere gut kann, ist schlicht nicht belegbar bzw. nicht evident, da es zu viele Gegenbeispiele gibt (off-Topic war Hitler intelligent?). Natürlich ärgern den Einfühlungsvermögenden besonders Menschen, die zwar Intelligent in ... sind aber so gar kein oder nur wenig Einfühlungsvermögen besitzen. Und ich habe auch schon oft gedacht, "boah ist der dumm", aber das war er nicht, sondern einfach nur anders begabt. Für mich ist Einfühlungsvermögen sehr wichtig. Ohne diese Fähigkeit kommt man m.E. nach zu keiner anthropophilen Grundeinstellung. Und wer nicht guten Willens ist, den kann ich nur schwer akzeptieren... der Epi (zur Nacht) |
![]() | 17. Juni 2011 Ich trenne Einfühlungsvermögen deutlich vom Mitgefühl. Die Wortendungen bezeichnen es ja schon, -VERMÖGEN und -GEFÜHL. Mitgefühl ist eine spontanes Reaktion, die mich, ohne groß nachzudenken, in einer entsprechenden Situation erfasst, während Einfühlungsvermögen eine aktive Leistung ist, die ich bewusst einsetzen oder aber verweigern kann. Ich kann mich nicht immer und überall in alles einfühlen, manchmal fehlt die Zeit dazu. Es ist nichts, was man eben so mal nebenbei im Vorbeigehen verstreuen könnte, denn es zieht meist eine Fortsetzung in irgend einer Form nach sich. Fehlendes Einfühlungsvermögen, da, wo es notwendig und unerlässlich ist, würde ich höchstens als emotionale Minderbegabung bezeichnen, nicht als Dummheit. |
![]() | 17. Juni 2011 Ein Mangel an Einfühlungsvermögen ist nicht zwangsläufig emotionale Minderbegabung. Einfühlungsvermögen ist eine intellektuelle Leistung. Der es aber ohne das Bezugssystem der wahrnehmenden und wahrgenommenen Emotion an Realitätsbezug fehlt. Einfühlungsvermögen ist u.a. eine Möglichkeit, sich emotional abzugrenzen. Gemeinhin wird es ja als Möglichkeit verstanden, sich dem Gegenüber anzunähern. Dafür reicht aber "Mitgefühl". Nähe. Identifikation. Einfühlungsvermögen hingegen kann realitäts- und zielbezogen Grenzen setzen. Es kann genutzt werden, um zu manipulieren. |
![]() | 17. Juni 2011 Auch wenn Einfühlungsvermögen eine Leistung ist, sind einige dafür begabter als andere. Nicht jeder kann Einfühlungsvermögen lernen. Man spricht doch in diesem Zusammenhang von "emotionaler Intelligenz", und die ist nicht ausschließlich als intellektuelle Leistung zu verstehen, sondern an bestimmte Fähigkeiten gebunden, die wiederum eine Mischung aus "Begabung" und Erlerntem bzw. Reflektiertem sind. Warum sollte man das Fehlen derselben nicht als Minderbegabung bezeichnen, wenn bestimmte Voraussetzungen für das Einfühlen nicht vorhanden sind? Dummheit wäre mir in diesem Zusammenhang nicht passend gewählt. Ein Mensch, der unmusikalisch ist, weil ihm die genetische Voraussetzung und die Förderung dafür fehlt, wird doch auch nicht als "dumm" bezeichnet - oder einer, der auf Grund seiner Körperlichkeit einfach nicht zum Langstreckenläufer taugt. |
![]() | 17. Juni 2011 neee... ...nicht schon wieder "emotionale Intelligenz"... @ Ludivine Ich versteh ehrlich gesagt noch nicht so ganz, worauf Du hinauswillst...oder vielleicht: haben wir doch unterschiedliche Vorstellungen von dem, was "Einfühlungsvermögen" für uns bedeutet... Einfühlungsvermögen ist u.a. eine Möglichkeit, sich emotional abzugrenzen. ? |
![]() | 17. Juni 2011 Moment mal ... ...nicht schon wieder "emotionale Intelligenz"... gibt es hier ein Denk- bzw. Begriffsverbot? |
![]() | 17. Juni 2011 Man spricht doch in diesem Zusammenhang von "emotionaler Intelligenz", und die ist nicht ausschließlich als intellektuelle Leistung zu verstehen, sondern an bestimmte Fähigkeiten gebunden, die wiederum eine Mischung aus "Begabung" und Erlerntem bzw. Reflektiertem sind. Dieser Begriff ist irreführend, er trennt die Emotionen von der Intelligenz ab und tut so, als gäbe es einen Dualismus, den es in Wirklichkeit nicht gibt. Keine intellektuelle Leistung ist unabhängig von "Emotionen". Leistungen, egal welche, kann man nur erbringen, wenn sie entsprechend entwickelt werden. Das gilt für jede Begabung und egal auf welcher Sequenz der Gaussglocke man sich damit herum treibt. Die Grundlagen des Einfühlungsvermögens liegen in intellektuellen Leistungen, die unabhängig vom verfügbaren emotionalen Spektrum sind. Wo und wie wird Einfühlungsvermögen geschult? |
![]() | 17. Juni 2011 @ dreibein emotionale abgrenzung: mitgefühl geht in die identifikation. ungeschultes und undiszipliniertes einfühlungsvermögen geht gerne in die überidentifikation. (xxx zensiert, diesen themenbereich muß ich hier weg lassen ...) einfühlungsvermögen ermöglicht mir mich selbst und meine gefühle von den gefühlen anderer abzugrenzen. ich kann mitgefühl und überidentifikation vermeiden und den anderen in seiner emotionalen situation wahrnehmen. emotionale abgrenzung. |
![]() | 17. Juni 2011 Wie kann man all das von einander getrennt betrachten? Einfühlungsvermögen haben ja doch auch Menschen denen nicht gerade überragende Intelligenz nach gesagt wird einfach weil sie mit dem Herzen denken. Intelligenz ist für mich nicht die Frage von angehäuftem grossem Wissen, es ist vielmehr die Gabe mit seinem Wissen und Herzen im Einklang zu leben. Es ist die Fähigkeit , Lebensfähig zu sein mit dem wissen um Sein Wissen. Intelligenz ist eine Gabe die nur die wenigsten, im Alltäglichen Leben ein zu setzen wissen. Das ist aber nur meine eigene Meinung, mein Empfinden! |
![]() | 17. Juni 2011 @ mein virtuelles lieblingsdreibein wenn du das gefühl hast in eine zitrone zu beißen, wenn du "emotionale intelligenz" liest, dann ahnst du bereits, worauf ich hinaus will. du weißt es nur noch nicht. * g * |